Und wenn ich mich falsch entschieden habe?

Verpasste Chancen, ungegangene Wege und die Frage: „Was wäre gewesen, wenn …?“

Ich vermute mal, Du kennst auch diese Momente, in denen Du zurückblickst und Dich fragst:

„Was wäre eigentlich gewesen, wenn ich mich damals anders entschieden hätte?“

Wenn ich den anderen Beruf gewählt hätte.
Wenn ich doch studiert hätte.
Wenn ich diese Stelle angenommen hätte.
Wenn ich damals umgezogen wäre.
Wenn ich mich früher getrennt hätte. Oder vielleicht gar nicht.
Wenn ich mutiger gewesen wäre.
Wenn ich Ja gesagt hätte.
Oder Nein.

Manchmal reicht ein einziger Gedanke an eine Entscheidung aus der Vergangenheit und schon beginnt das Gedankenkarussell.

Habe ich mich damals falsch entschieden?

Und je länger wir darüber nachdenken, desto verlockender kann dieses andere Leben aussehen.
Das Leben, das wir vielleicht hätten haben können.

Hinterher ist man bekanntlich ja immer schlauer

Das ist so ein herrlich einfacher Satz.

Und leider stimmt er auch noch.

Denn heute weißt Du Dinge, die Du damals nicht wusstest.

Du hast Erfahrungen gemacht, Menschen kennengelernt, Enttäuschungen erlebt, vielleicht Erfolge gefeiert und vermutlich auch ein paarmal ordentlich danebengegriffen.

Heute kennst Du Konsequenzen, die Du damals unmöglich kennen konntest.

Und trotzdem schauen wir zurück und erwarten manchmal von unserem damaligen Ich, dass es gefälligst genauso schlau hätte sein sollen wie wir heute.

Das hätte ich doch wissen müssen.

Wirklich? Hättest Du das? Damals?

Vielleicht konntest Du es eben damals noch gar nicht wissen.
Und vielleicht hast Du Dich mit genau dem entschieden, was Dir zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stand: Deinen Erfahrungen, Deinen Ängsten, Deinen Wünschen, Deinen Möglichkeiten und Deiner Vorstellung davon, was richtig für Dich sein könnte.

Das bedeutet übrigens nicht, dass jede Entscheidung deshalb automatisch gut war.

Vielleicht würdest Du heute tatsächlich anders entscheiden


Ich finde, wir müssen uns unsere Vergangenheit nicht schönreden.

Vielleicht gab es Entscheidungen, bei denen Du heute ganz klar sagen kannst:

„Nein. Das würde ich nicht noch einmal so machen.“

Vielleicht hast Du Dich aus Angst gegen etwas entschieden.
Vielleicht bist Du geblieben, obwohl Du längst gehen wolltest.
Vielleicht hast Du auf andere gehört, obwohl Du eigentlich etwas anderes wolltest.
Vielleicht hast Du eine Chance nicht genutzt, weil Du Dir selbst zu wenig zugetraut hast.
Oder Du hast Dich voller Überzeugung für etwas entschieden und später festgestellt:

Na, war doch keine besonders gute Idee.

Auch das gibt es.

Wir müssen nicht jede Entscheidung unseres Lebens im Nachhinein zu einer wertvollen Lektion verklären und behaupten, dass alles genauso kommen musste.

Manches würden wir heute schlicht anders machen.

Aber eine Entscheidung heute anders treffen zu wollen bedeutet noch lange nicht, dass Du Dir Dein damaliges Leben zum Vorwurf machen musst.

Und dann kommt das „Was wäre, wenn …?“


Das kann ganz schön hartnäckig sein.

Denn wir Menschen können uns wunderbar vorstellen, wie unser Leben verlaufen wäre, wenn wir an irgendeiner Stelle anders abgebogen wären.

Wenn ich damals diesen Job angenommen hätte, wäre ich heute bestimmt viel erfolgreicher.

Wenn ich in eine andere Stadt gezogen wäre, hätte ich vielleicht ganz andere Menschen kennengelernt.

Wenn ich mich damals getraut hätte, wäre ich heute vielleicht …

Ja….Vielleicht….

Das Gemeine daran ist nur:

Du kennst den „Rattenschwanz“ Deiner tatsächlichen Entscheidung. Den der anderen kennst Du eben nicht.

Du weißt, welche Schwierigkeiten Dein wirklicher Weg mit sich gebracht hat.
Du kennst die schlechten Tage, die Enttäuschungen, die Zweifel und die Dinge, die nicht funktioniert haben.

Beim anderen Weg kennst Du all das nicht.
Der durfte schließlich nie stattfinden.

Und deshalb lässt er sich im Kopf ziemlich schön ausmalen.

Vielleicht wäre der andere Job tatsächlich großartig gewesen.
Vielleicht hättest Du dort aber auch nach einem Jahr völlig entnervt gekündigt.
Vielleicht wäre das Leben in der anderen Stadt wunderbar geworden.
Vielleicht hättest Du Dich dort aber auch schrecklich einsam gefühlt.
Vielleicht… vielleicht… vielleicht…

Vielleicht hätte das eine Ja Dein Leben verändert. Vielleicht aber auch das Nein.

Ein anderes Leben wäre anders gewesen, aber nicht automatisch besser.

Im Endeffekt vergeleichen wir Realität mit Fantasie


Und das ist eigentlich ein ziemlich unfairer Wettbewerb.

Auf der einen Seite steht Dein echtes Leben: Mit allem, was dazugehört.

Mit Fehlern und Erfolgen. Mit langweiligen Dienstagen, schwierigen Beziehungen, Rechnungen, Krankheiten, Streit, Stress und Entscheidungen, bei denen Du manchmal selbst nicht mehr weißt, was Du Dir dabei eigentlich gedacht hast.

Und auf der anderen Seite?

Steht ein Leben, das nie so stattgefunden hat.

Da können wir uns natürlich die schönsten Möglichkeiten herauspicken und den Rest einfach weglassen. Kein Wunder, dass unser wirkliches Leben dagegen manchmal ziemlich schlecht aussieht.

Vielleicht wäre manches tatsächlich besser geworden, wenn Du Dich anders entschieden hättest.
Aber vielleicht auch manches schlechter.

Du wirst es nicht erfahren.

Und genau das kann schwer auszuhalten sein.

Was hast Du durch Deine Entscheidung bekommen?


Vielleicht lohnt sich deshalb noch eine ganz andere Frage.

Nicht nur ein:    „Was habe ich verpasst?“

Sondern auch:   „Was wäre nicht passiert, wenn ich mich damals anders entschieden hätte?“

Welche Menschen hättest Du vielleicht nie kennengelernt?
Welche Freundschaften wären nicht entstanden?
Welche Erfahrungen hättest Du nicht gemacht?
Was hättest Du nicht gelernt?
Welche Abzweigung wäre später nicht gekommen?

Vielleicht gäbe es bestimmte Menschen in Deinem heutigen Leben nicht.
Vielleicht wärst Du nie an einem Ort gelandet, der Dir wichtig geworden ist.
Vielleicht hättest Du Fähigkeiten nicht entwickelt, die heute ganz selbstverständlich zu Dir gehören.

Das heißt nicht, dass Du deshalb dankbar für jede schlechte Erfahrung sein musst.
Und es bedeutet schon gar nicht, dass etwas Schlimmes plötzlich gut war, nur weil später auch etwas Gutes daraus entstanden ist.

Es bedeutet lediglich: Wir kennen nie nur die eine Konsequenz einer Entscheidung.

An einer Entscheidung hängt meistens ein ganzer „Rattenschwanz“.
Nur sehen wir den beim ungegangenen Weg nicht.

Sei ein bisschen milder mit Deinem damaligen Ich

Vielleicht ist das der Punkt, an dem wir aufhören dürfen, mit unserem früheren Ich vor Gericht zu sitzen.

Du darfst heute sagen:

„Das war keine gute Entscheidung.“

Du darfst bedauern, dass Du etwas nicht gemacht hast.
Du darfst traurig über eine verpasste Chance sein.
Und Du darfst Dir wünschen, Du hättest manches früher erkannt.

Aber vielleicht musst Du Dich dafür nicht jahrelang verurteilen.

Denn Du kannst nicht zurückgehen und mit Deinem heutigen Wissen noch einmal entscheiden.

Du kannst aber aufhören, von Deinem damaligen Ich zu verlangen, dass es dieses Wissen schon hätte haben müssen.

Und vielleicht wird aus:

„Wie konnte ich mich damals nur so entscheiden?“

irgendwann:

„Heute würde ich anders entscheiden.“

Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied.
Ich finde aber, es ist ein ziemlich großer.

Denn der erste Satz hält Dich in der Vergangenheit fest.
Der zweite bringt Dich zurück ins Heute.

Und wie entscheidest Du heute?


Vielleicht kannst Du manche Folgen einer früheren Entscheidung nicht mehr verändern, andere schon.

Vielleicht kannst Du heute noch eine Ausbildung anfangen, den Beruf wechseln, eine Reise machen, ein Gespräch führen, eine Grenze ziehen oder endlich etwas ausprobieren, das Du Dir früher nicht zugetraut hast.

Und bei manchen Dingen geht es gar nicht darum, etwas rückgängig zu machen.
Sondern darum, ab heute anders weiterzumachen.

Du bist heute nicht mehr der Mensch, der Du damals warst:

Du weißt mehr.
Du hast mehr erlebt.
Vielleicht weißt Du inzwischen auch besser, was Du möchtest…und was nicht mehr.

Dann darf dieses Wissen auch etwas verändern.

Mit Sicherheit nicht mehr das Gestern…aber das Heute.

Vielleicht geht es also gar nicht darum, endlich herauszufinden, ob Du Dich damals richtig oder falsch entschieden hast. Vielleicht ist die wichtigere Frage:

Welche Entscheidung möchtest Du mit dem Wissen von heute treffen?

Denn Deine Vergangenheit kannst Du nicht noch einmal entscheiden.

Deinen nächsten Schritt schon.

Und jetzt?

Vielleicht brauchst Du keine Antwort mehr auf die Frage, ob Deine Entscheidung damals richtig oder falsch war. Vielleicht brauchst Du eine Antwort auf eine ganz andere:

Was möchte ich heute?

Wenn Du genau an dieser Stelle festhängst und Deine Gedanken sich immer wieder im Kreis drehen, begleite ich Dich gerne dabei, Klarheit hineinzubringen.
Vereinbare gerne dein kostenfreies Erstgespräch, per Telefon oder live in meiner Praxis in Pentling bei Regensburg.

Denn Deine Entscheidung von damals ist gefallen.
Und Deine nächste?

Herzlichst,

Deine Rebecca

PS: Manche Antworten finden wir nicht, indem wir noch länger darüber nachdenken. Manchmal hilft es, für eine Weile aus dem Alltag herauszutreten und den Gedanken ein bisschen Raum zu geben.

Bei meinen QiGong-Retreats im Kloster Weltenburg darf genau dieser Raum entstehen: zum Durchatmen, Runterkommen und bei Dir Ankommen.

Vielleicht musst Du dort keine großen Entscheidungen treffen. Vielleicht darfst Du einfach erst einmal wieder wahrnehmen, was Du selbst eigentlich möchtest.